Stand: Oktober 2026. Ein hohes KGV wirkt auf den ersten Blick teuer. Doch wenn ein Unternehmen seinen Gewinn viele Jahre deutlich steigert, kann ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis durchaus gerechtfertigt sein. Genau hier setzt die PEG Ratio an: Sie setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum.
Die Idee ist einfach. Ein KGV von 30 wirkt völlig anders, wenn der Gewinn nur um fünf Prozent pro Jahr wächst, als wenn er um 30 Prozent wächst. Die PEG Ratio versucht, diesen Unterschied in einer einzigen Kennzahl sichtbar zu machen.
Das ist nützlich – aber nicht narrensicher. Die Kennzahl hängt vollständig von der verwendeten Wachstumsannahme ab. Zu optimistische Prognosen, zyklische Gewinne oder Verwässerung können einen scheinbar günstigen PEG-Wert erzeugen, obwohl die Aktie alles andere als günstig ist.
Die Kernidee
Die PEG Ratio ergänzt das KGV um Wachstum. Sie ist damit kein Ersatz für Unternehmensanalyse, sondern eine schnelle Gegenprobe: Bezahle ich für Wachstum – und bekomme ich davon genug?
Was ist die PEG Ratio?
PEG steht für Price/Earnings-to-Growth. Die Kennzahl teilt das Kurs-Gewinn-Verhältnis durch die erwartete jährliche Gewinnwachstumsrate.
PEG Ratio = KGV ÷ erwartetes Gewinnwachstum in %
Ein Unternehmen mit einem KGV von 20 und erwartetem Gewinnwachstum von 20 Prozent besitzt eine PEG Ratio von 1,0. Ein zweites Unternehmen mit demselben KGV, aber nur zehn Prozent Wachstum, kommt auf PEG 2,0.
Ein einfaches Beispiel
Unternehmen A besitzt KGV 24 und erwartetes EPS-Wachstum von 24 Prozent. PEG = 1,0.
Unternehmen B besitzt ebenfalls KGV 24, wächst aber nur mit acht Prozent. PEG = 3,0.
KGV 24
Gewinnwachstum 24 %
PEG 1,0
KGV 24
Gewinnwachstum 8 %
PEG 3,0
Eigene hypothetische Modellrechnung.
Warum das KGV allein zu kurz greifen kann, erklären wir ausführlich im Artikel KGV erklärt.
Warum Wachstum ein höheres KGV rechtfertigen kann
Wenn der Gewinn je Aktie schnell steigt, fällt ein heute hohes KGV bei konstantem Aktienkurs automatisch.
Eine Aktie kostet beispielsweise 60 Euro, der Gewinn je Aktie beträgt zwei Euro. KGV = 30. Steigt das EPS im Folgejahr auf drei Euro, sinkt das KGV bei unverändertem Kurs auf 20.
Wachstum kann eine heute ambitionierte Bewertung also relativ schnell relativieren. Genau deshalb besteht fundamental ein Zusammenhang zwischen KGV, nachhaltigem Wachstum und geforderter Rendite.
Warum PEG = 1 oft als „fair“ bezeichnet wird
Eine verbreitete Faustregel lautet:
- PEG unter 1: eher günstig,
- PEG um 1: ungefähr fair,
- PEG über 1: eher teuer.
Die Logik dahinter: Ein Unternehmen mit 20 Prozent Wachstum und KGV 20 besitzt PEG 1. Mit demselben Wachstum und KGV 40 läge PEG bei 2.
Als Schnellfilter kann das hilfreich sein. Als Bewertungsregel ist es zu grob.
Warum eine PEG Ratio unter 1 nicht automatisch günstig ist
Der Nenner basiert häufig auf Prognosen. Wenn Analysten 30 Prozent Wachstum erwarten, tatsächlich aber nur zehn Prozent eintreten, verändert sich die Kennzahl drastisch.
Beispiel: KGV 18, erwartetes Wachstum 30 Prozent. PEG = 0,6. Bei realem Wachstum von nur zehn Prozent wäre PEG rückblickend 1,8.
Die Aktie war mathematisch nie „günstiger“ – nur die Prognose war zu optimistisch.
Forward PEG oder Trailing PEG?
Trailing PEG nutzt historische Gewinnwachstumsraten. Das ist objektiver, blickt aber in die Vergangenheit.
Forward PEG nutzt erwartetes künftiges Wachstum. Das ist für Bewertung konzeptionell relevanter, aber unsicherer.
Ich würde beide Varianten betrachten und zusätzlich eine konservative eigene Wachstumsannahme verwenden.
Welche Wachstumsrate sollte verwendet werden?
Möglich sind:
- EPS-Wachstum im nächsten Jahr,
- Drei-Jahres-EPS-CAGR,
- langfristiger Analystenkonsens,
- historische Fünf-Jahres-CAGR,
- organisches Wachstum ohne Sondereffekte.
Je nach Wahl kann dieselbe Aktie eine völlig andere PEG Ratio besitzen. Eine PEG-Angabe ohne Definition der Wachstumsrate ist deshalb kaum reproduzierbar.
Ein Beispiel: gleiche Aktie, drei PEG-Werte
Angenommen, eine Aktie besitzt KGV 30.
- Wachstum nächstes Jahr 30 % → PEG 1,0
- Drei-Jahres-CAGR 20 % → PEG 1,5
- historische Fünf-Jahres-CAGR 12 % → PEG 2,5
Alle drei Berechnungen sind mathematisch korrekt. Die eigentliche Analyse beginnt deshalb nicht bei der Division, sondern bei der Qualität der Wachstumsannahme.
PEG und zyklische Gewinne
Bei zyklischen Unternehmen kann die Kennzahl besonders irreführend sein.
Steigt EPS nach einem Krisenjahr von einem auf zwei Euro, entspricht das 100 Prozent Wachstum. Bei KGV 20 wäre PEG nur 0,2. Das klingt extrem günstig.
Wenn dieser Anstieg aber nur eine Normalisierung nach einem Tiefpunkt ist, sagt die Kennzahl wenig über nachhaltiges Wachstum aus.
Bei zyklischen Unternehmen sollte deshalb eher mit normalisierten Gewinnen über den Zyklus gearbeitet werden.
PEG und negative Gewinne
Hat ein Unternehmen negative Gewinne, ist das KGV nicht sinnvoll – und damit auch PEG nicht.
Bei verlustreichen Wachstumsunternehmen sind Kennzahlen wie EV/Sales, Bruttomarge, Free Cashflow, Cash Runway und langfristige Profitabilität geeigneter.
Für kleinere Unternehmen findest du dazu unseren Rahmen Small Caps analysieren: 12 Kennzahlen.
PEG und Aktienverwässerung
Die Wachstumsrate sollte idealerweise auf Gewinn je Aktie basieren, nicht auf absolutem Nettogewinn.
Steigt der Konzerngewinn um 30 Prozent, die Aktienzahl aber gleichzeitig um 20 Prozent, wächst das EPS deutlich langsamer.
Für Aktionäre ist genau das relevant. Die Kennzahl sollte also bereits berücksichtigen, was nach Verwässerung pro Aktie ankommt.
PEG und Qualität des Wachstums
Wachstum ist nicht automatisch wertvoll. Ein Unternehmen kann Gewinn steigern, indem es immer mehr Kapital investiert. Wenn die Rendite auf dieses zusätzliche Kapital niedrig ist, kann der Wertzuwachs enttäuschen.
Deshalb würde ich PEG immer mit ROIC kombinieren.
Eine Aktie mit PEG 1,2 und sehr hoher Kapitalrendite kann attraktiver sein als eine mit PEG 0,8 und schwacher Kapitalrendite.
PEG und Free Cashflow
Gewinnwachstum kann entstehen, ohne dass Free Cashflow je Aktie im selben Tempo wächst. Wenn EPS um 20 Prozent steigt, Free Cashflow je Aktie aber stagniert, ist das PEG-Signal weniger überzeugend.
Die beste Wachstumsbewertung verbindet daher EPS-Wachstum mit Free Cashflow.
Warum sehr hohe Wachstumsraten problematisch sind
Ein Unternehmen kann kurzfristig 50 oder sogar 100 Prozent wachsen. Diese Rate ist aber fast nie dauerhaft.
Je größer das Unternehmen wird, desto schwieriger wird es, dieselbe Wachstumsrate aufrechtzuerhalten. Eine PEG Ratio, die mit extrem hohem Wachstum rechnet, kann deshalb schnell zu optimistisch sein.
Die Kennzahl integriert zwar Wachstum, sagt aber nichts darüber aus, wie lange dieses Wachstum anhält.
Ein Drei-Phasen-Denkmodell
Statt nur eine einzige Wachstumsrate zu verwenden, kann man drei Phasen unterscheiden:
- Hochwachstumsphase: beispielsweise drei Jahre mit 25 Prozent.
- Normalisierungsphase: anschließend drei Jahre mit 15 Prozent.
- Reifephase: danach vielleicht fünf Prozent.
Die einfache PEG Ratio bildet diese Entwicklung nicht ab. Ein DCF-Modell kann sie dagegen direkt berücksichtigen.
Genau deshalb ist PEG besser als Schnellfilter denn als endgültige Bewertung.
PEG versus DCF
PEG ist schnell und intuitiv. DCF ist aufwendiger, aber konzeptionell vollständiger.
Die PEG Ratio berücksichtigt im Kern nur:
- ein KGV,
- eine Wachstumsrate.
Ein DCF berücksichtigt zusätzlich die Dauer des Wachstums, Margen, Kapitalbedarf, Kapitalkosten und Terminal Value.
Deshalb würde ich PEG nutzen, um interessante Aktien zu identifizieren, und anschließend mit tieferen Bewertungsmethoden weiterarbeiten.
Unser Artikel Aktie fair bewerten: 7 Methoden im Vergleich zeigt, wie PEG in einen größeren Bewertungsrahmen passt.
PEG und Margenexpansion
Gewinnwachstum kann aus unterschiedlichen Quellen entstehen. Umsatz kann steigen, Kosten können sinken oder Margen können sich verbessern.
Ein Unternehmen mit zehn Prozent Umsatzwachstum und stark steigender Marge kann EPS deutlich schneller steigern als der Umsatz. Das kann ein niedrigeres PEG erzeugen.
Die wichtige Frage ist, ob diese Margenexpansion wiederholbar ist. Wenn der Effekt nur aus einmaligen Kostensenkungen stammt, ist er weniger nachhaltig als skalierbares Wachstum.
PEG bei Unternehmen mit Aktienrückkäufen
Auch sinkende Aktienzahlen können EPS-Wachstum beschleunigen.
Beispiel: Der Nettogewinn steigt um zehn Prozent, die Aktienzahl sinkt gleichzeitig um fünf Prozent. Dann wächst EPS stärker als der absolute Gewinn.
Das kann für Aktionäre positiv sein, solange die Rückkäufe zu sinnvollen Preisen erfolgen.
Für die PEG Ratio sollte trotzdem klar sein, ob das erwartete EPS-Wachstum aus operativem Wachstum oder vor allem aus sinkender Aktienzahl entsteht.
PEG bei Übernahmen
Akquisitionen können Gewinnwachstum kurzfristig beschleunigen. Das macht PEG optisch attraktiver.
Aber wenn das Wachstum nur durch immer neue Übernahmen entsteht, muss der zusätzliche Kapitaleinsatz berücksichtigt werden.
Eine Aktie kann ein niedriges PEG besitzen und trotzdem Wert vernichten, wenn das Management zu hohe Kaufpreise bezahlt.
PEG und Zinsniveau
Auch das Zinsniveau beeinflusst, welches KGV Investoren bereit sind zu zahlen.
Bei niedrigen Renditen alternativer Anlagen können höhere Bewertungsmultiples akzeptabler erscheinen. Steigen risikofreie Zinsen, sinkt häufig der faire Barwert zukünftiger Gewinne.
Deshalb ist dieselbe PEG Ratio nicht in jedem Marktumfeld automatisch gleich attraktiv.
PEG und Qualität der Bilanz
Ein Unternehmen mit hohem Wachstum und niedriger Verschuldung kann mehr strategischen Spielraum besitzen als ein ähnlich wachsendes Unternehmen mit hoher Zinslast.
PEG blendet diese Bilanzunterschiede vollständig aus.
Für eine vollständige Analyse sollten deshalb Verschuldung und Schuldentragfähigkeit zusätzlich geprüft werden. Unser Artikel Net Debt/EBITDA erklärt liefert dafür einen schnellen Rahmen.
PEG Ratio mit ChatGPT berechnen
Arbeitsauftrag
„Berechne für das Unternehmen die PEG Ratio auf drei Arten: mit historischem EPS-Wachstum der letzten fünf Jahre, mit Konsenswachstum für die nächsten drei Jahre und mit einer konservativen eigenen Wachstumsschätzung. Zeige für jede Variante das verwendete KGV, die Wachstumsrate und das Ergebnis. Prüfe zusätzlich, ob die Aktienzahl steigt und ob Free Cashflow je Aktie ähnlich schnell wächst wie EPS.“
Die fünf größten Fehler bei der PEG Ratio
- Wachstumsrate nicht dokumentieren: Ohne klare Definition ist der Wert nicht reproduzierbar.
- Ein einziges Analystenjahr verwenden: Ein Ausreißer kann die Kennzahl massiv verzerren.
- Zyklische Gewinne ignorieren: Rebound-Wachstum ist nicht dasselbe wie strukturelles Wachstum.
- Qualität des Wachstums ignorieren: Niedriger ROIC oder hoher Kapitalbedarf können ein gutes PEG entwerten.
- PEG als Fair-Value-Modell behandeln: Die Kennzahl ist ein Filter, kein vollständiges Bewertungsmodell.
Wann die PEG Ratio besonders nützlich ist
Am meisten hilft sie bei profitablen Wachstumsunternehmen mit:
- positiven und halbwegs stabilen Gewinnen,
- gut prognostizierbarem Wachstum,
- überschaubarer Verwässerung,
- hoher Kapitalrendite,
- solider Cash Conversion.
Weniger nützlich ist sie bei Banken, Rohstoffunternehmen, hochzyklischen Geschäftsmodellen oder Firmen mit negativen Gewinnen.
Eine bessere PEG-Variante: konservatives Wachstum
Statt die höchste Analystenschätzung zu verwenden, kann eine konservativere Wachstumsannahme robuster sein.
Beispiel: KGV 25, Konsenswachstum 25 Prozent, konservatives Wachstum 15 Prozent.
Konsens-PEG: 1,0.
Konservatives PEG: 1,67.
Die zweite Zahl zeigt, wie empfindlich die Bewertung auf enttäuschendes Wachstum reagiert.
Ein vollständiges Bewertungsbeispiel
Nehmen wir ein hypothetisches Softwareunternehmen mit KGV 32. Analysten erwarten 28 Prozent EPS-Wachstum. Das ergibt PEG 1,14.
Historisch wuchs EPS aber nur mit 18 Prozent. Auf dieser Basis läge PEG bei 1,78.
Der Free Cashflow je Aktie wächst mit 16 Prozent, die Aktienzahl steigt um zwei Prozent pro Jahr und ROIC liegt bei 24 Prozent.
Was sagt uns das?
Das Unternehmen besitzt hohe Qualität und gute Kapitalrendite. Gleichzeitig ist die Konsensbewertung deutlich stärker von hohen Wachstumsannahmen abhängig als die historische Variante vermuten lässt.
Der richtige Schluss wäre nicht „PEG 1,14, also kaufen“, sondern: Die Bewertung ist attraktiv, wenn 25 bis 30 Prozent Wachstum tatsächlich lange genug hält. Bei nur 15 bis 18 Prozent Wachstum wird dieselbe Aktie deutlich anspruchsvoller.
PEG als Sensitivitätsmatrix
Statt nur einen Wert zu verwenden, kann man mehrere Wachstumsannahmen nebeneinanderstellen.
PEG 1,0
PEG 1,5
PEG 2,0
PEG 3,0
Eigene hypothetische Modellrechnung.
Diese Darstellung ist analytisch wesentlich wertvoller als eine einzelne Kennzahl. Sie zeigt sofort, wie stark die Investmentthese von einer bestimmten Wachstumsannahme abhängt.
PEG und Umsatzwachstum pro Aktie
Wenn EPS-Wachstum außergewöhnlich hoch ist, lohnt ein Kontrollblick auf Umsatz je Aktie.
Steigt EPS stark, Umsatz je Aktie aber kaum, stammt das Wachstum möglicherweise vor allem aus Margenverbesserung, Bilanzierung oder Rückkäufen.
Das muss nicht schlecht sein. Aber es ist eine andere Wachstumsquelle als ein Unternehmen, das gleichzeitig Umsatz, Cashflow und Gewinn je Aktie stark steigert.
Genau diese Eigentümerperspektive behandeln wir im Artikel Umsatzwachstum pro Aktie.
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Wachstum ist nur dann wertvoll, wenn Annahmen und Bewertung zusammenpassen.
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Fazit: PEG ist besser als KGV allein – aber nur mit gutem Wachstum im Nenner
Die PEG Ratio löst ein echtes Problem des KGV: Sie berücksichtigt, dass schnell wachsende Unternehmen höhere Bewertungsmultiples rechtfertigen können.
Ihr größter Vorteil ist gleichzeitig ihre größte Schwäche. Das Ergebnis hängt vollständig davon ab, welche Wachstumsrate du einsetzt.
Ein PEG von 0,8 kann attraktiv sein – oder das Ergebnis einer unrealistischen Prognose. Ein PEG von 1,8 kann teuer aussehen – oder bei außergewöhnlich hoher Kapitalrendite und lang anhaltendem Wachstum gerechtfertigt sein.
Deshalb ist die beste Nutzung der Kennzahl einfach: als Schnellfilter, nicht als Schlussurteil. Danach müssen Gewinnqualität, Cashflow, ROIC, Verwässerung und Dauer des Wachstums geprüft werden.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Alle Beispiele sind hypothetisch.
Quellen und Methodik
- CFA Institute – Market-Based Valuation: Price and Enterprise Value Multiples.
- CFA Institute – Is the PEG Ratio a Reliable Market-Timing Tool?.
- Investor.gov – Price/Earnings-to-Growth Ratio.
Alle Rechenbeispiele: eigene hypothetische Modellrechnungen. Quellen zuletzt geprüft im Oktober 2026.


