Juni 23, 2026
Value Investing

HomeToGo SE: Deep Value Opportunity im europäischen Reise-Tech-Sektor?

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HomeToGo Aktie: Gefallener SPAC, Ferienhaus-Roll-up oder echte Value-Sondersituation?
The Kapital · Deep Dive · HomeToGo Aktie

HomeToGo war einmal eine Nullzins-Fantasie: Plattform, Reise, Software, Ferienhäuser, Skalierung. Dann fiel die Aktie um fast 90 Prozent. Heute kostet der Konzern an der Börse nur noch grob 200 Millionen Euro, obwohl die neue Gruppe pro forma fast 400 Millionen Euro Umsatz und über 40 Millionen Euro Adjusted EBITDA erreicht hat. Das sieht billig aus. Aber bei HomeToGo ist billig nicht dasselbe wie sicher — es ist eine Wette darauf, dass aus Adjusted EBITDA endlich echter Cashflow wird.

HTG.DE ca. 1,15 € · Xetra · Prime StandardDatenstand: Juni 2026Lesedauer: ca. 15 MinutenKeine Anlageberatung
Dieser Artikel ist unabhängige Finanzanalyse und dient der Bildung. Er ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Die These: HomeToGo ist nicht mehr nur der alte SPAC-Unfall

Manche Aktien fallen, weil das Geschäftsmodell zerbricht. Andere fallen, weil die Börse irgendwann keine Lust mehr hat, für Zukunftsmusik Eintritt zu bezahlen. HomeToGo gehört zur zweiten Sorte. Der Börsengang 2021 kam aus jener Epoche, in der Investoren fast alles akzeptierten, solange ein Geschäftsmodell digital klang, eine Plattform versprach und irgendwo im Pitchdeck das Wort Skalierung auftauchte.

Die Aktie fiel vom SPAC-Niveau um 10 Euro auf etwas mehr als einen Euro. Aus der Wachstumsstory wurde ein Nebenwert, aus dem Plattformtraum wurde eine Geduldsprobe, aus dem Börsengang wurde für viele Altaktionäre ein sehr teurer Urlaub ohne Meerblick.

Und dennoch: Genau hier beginnt die Analyse. Denn HomeToGo ist operativ nicht verschwunden. Das Unternehmen ist größer geworden, hat mit Interhome den strategisch wichtigsten Zukauf seiner Geschichte abgeschlossen, verschiebt den Schwerpunkt Richtung B2B, Software und Ferienhausmanagement und versucht, aus einer verlustträchtigen Plattformgeschichte einen profitablen europäischen Ferienhauskonzern zu bauen.

Die Aktie ist damit keine klassische Value-Aktie. Dafür fehlen stabile Nettogewinne, Dividendenhistorie und eine lange saubere Cashflow-Spur. Sie ist eher eine Value-Sondersituation: ein gefallener SPAC, der operativ realer geworden ist, während der Markt ihm noch immer das Etikett „gescheiterte Wachstumsfantasie“ auf die Stirn klebt.

„The stock market is filled with individuals who know the price of everything, but the value of nothing.“Philip Fisher zugeschrieben — bei HomeToGo geht es genau um diesen Unterschied
Grafik 1: Vom SPAC-Preis zur Sondersituation
ca. 10 € SPAC-Niveauca. 1,15 € heuteDer Chart sieht tot aus.Vereinfachte Darstellung, nicht tickgenau. Aussage: Bewertungsfantasie wurde fast vollständig ausgepreist.
HomeToGo startete 2021 am regulierten Markt in Frankfurt; der aktuelle Xetra-Kurs liegt laut HomeToGo IR im Bereich um 1,15 Euro. Die Grafik ist schematisch.

Technisch bleibt HomeToGo ein schwerer Fall: Der große Abwärtstrend seit dem SPAC-Niveau ist nicht wegzudiskutieren. Kurzfristig wird relevant, ob der Bereich um 1,10 bis 1,20 Euro als Boden funktioniert. Ein nachhaltiger Bruch darunter wäre charttechnisch unschön. Ein Anstieg über 1,30 bis 1,40 Euro wäre dagegen das erste Signal, dass der Markt die neue 2026er Story wieder ernster nimmt.

Was HomeToGo heute ist: Nicht mehr nur Marktplatz, sondern Ferienhaus-Infrastruktur

Die alte HomeToGo-Story war einfach: Eine Such- und Buchungsplattform für Ferienunterkünfte. Millionen Angebote, viele Partner, digitale Reichweite, Provisionen, Weiterleitungen, Buchungen. Der Nutzer sucht ein Ferienhaus, HomeToGo führt Angebot und Nachfrage zusammen. Das klang nach Asset-light-Plattform. An der Börse klang es damals noch besser.

Die neue Story ist komplizierter, aber interessanter. HomeToGo entwickelt sich zu einer europäischen Ferienhausgruppe mit Marketplace, B2B-Software, Property-Management-Kompetenz, Service-Lösungen und direkterem Zugriff auf Inventar. Der zentrale Name ist Interhome.

Mit der Übernahme von Interhome hat HomeToGo nicht einfach irgendein kleines Software-Tool gekauft. Interhome ist Europas zweitgrößter Ferienhausmanagement-Anbieter. Damit verschiebt sich das Modell weg von reiner Plattformlogik hin zu einem hybriden Modell: Marktplatz plus B2B plus Management plus Software.

Grafik 2: Der Strategiewechsel
Alte StoryB2C MarketplaceTraffic + ConversionNeue StoryMarketplace + HomeToGo_PROInterhome + Software + ServicesDer Markt bewertet oft noch den alten SPAC. Das Unternehmen versucht, ein anderes Modell zu werden.

Das klingt weniger sexy als „AI-powered travel platform“. Aber die Börse ist manchmal zu verliebt in das Laute. HomeToGo versucht gerade, tiefer in die Wertschöpfung zu rutschen. Weniger Eintrittskarte zur Nachfrage, mehr Kontrolle über Angebot, Bestand, Service und Eigentümerbeziehungen. Wenn das funktioniert, verändert sich die Qualität der Umsätze.

Die neue HomeToGo-Frage lautet nicht mehr: Wie schnell wächst die Plattform? Sondern: Wie viel Cashflow lässt sich aus einem integrierten europäischen Ferienhausnetzwerk herausholen?

Interhome: Der Moment, in dem die Geschichte eine andere wurde

HomeToGo schloss die Interhome-Übernahme am 29. August 2025 ab. Das ist der Wendepunkt der Investmentthese. Ohne Interhome wäre HomeToGo ein gefallener Plattformwert, der versucht, über Marketingeffizienz und bessere Conversion irgendwann profitabel zu werden. Mit Interhome wird daraus eine Buy-and-Build-Story im europäischen Ferienhausmarkt.

Interhome bringt operative Tiefe: verwaltete Ferienobjekte, lokale Beziehungen, Kundenservice, Eigentümerkontakte, jahrzehntelange Prozesse und eine echte Managementstruktur. HomeToGo bringt Plattform, Technologie, Daten, Reichweite, Vermarktung und digitale Infrastruktur. Auf dem Papier ist das eine sinnvolle Kombination: alter Ferienhausbetrieb trifft neue Plattformmaschine.

Papier ist allerdings geduldig. Besonders geduldig ist Papier in Investor-Präsentationen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Werden aus Synergien, Markenharmonisierung, Cross-Selling und besserer Auslastung echte freie Cashflows?

Grafik 3: Interhome verändert die Größenordnung
€255,5 Mio.€394,3 Mio.€13,2 Mio.€42,0 Mio.IFRS Umsatz 2025Pro-forma UmsatzAdj. EBITDAPro-forma Adj. EBITDA
2025: statutory Umsatz 255,5 Mio. Euro und pro-forma Umsatz 394,3 Mio. Euro; Adjusted EBITDA 13,2 Mio. Euro bzw. 42,0 Mio. Euro pro forma.

Für ein Unternehmen mit rund 200 Millionen Euro Börsenwert sind 10 Millionen Euro mögliche Synergie nicht dekorativ. Sie sind nicht der freundliche „Kostendisziplin“-Satz am Ende einer Präsentation. Sie können über einen erheblichen Teil der Bewertung entscheiden.

Q1 2026: Kein Feuerwerk — aber ein Signal der Disziplin

Das erste Quartal 2026 war auf den ersten Blick kein Feuerwerk. Der Umsatz stieg auf 59,0 Millionen Euro, was auf gesetzlicher Basis einem Plus von 71,5 Prozent entspricht. Das klingt spektakulär, ist aber vor allem durch die volle Konsolidierung von Interhome getrieben. Auf vergleichbarer Basis blieb der Umsatz insgesamt ungefähr stabil.

Interessanter war die Ergebnisentwicklung. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich auf vergleichbarer Basis um 7,2 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Das ist der eigentliche Punkt. HomeToGo wächst nicht nur über Zukäufe, sondern versucht, Marketingeffizienz, Kostenstruktur und Geschäftsqualität zu verbessern.

Das Marketplace-Segment zeigte trotz rückläufiger Umsätze bessere Profitabilität. Das ist wichtig, weil es zeigt, dass HomeToGo offenbar bereit ist, Umsatzqualität über Umsatzmenge zu stellen. Viele Plattformen kauften jahrelang Umsatz wie ein betrunkener Tourist Souvenirs kauft: zu viel, zu teuer, und am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen.

HomeToGo scheint langsam nüchterner zu werden.

€59,0 Mio.IFRS-Umsatz Q1 2026
+71,5%Umsatzwachstum gesetzlich
+€7,2 Mio.LFL Verbesserung Adj. EBITDA
66%HomeToGo_PRO Umsatzanteil
~1xEBITDA-Multiple für neue Bolt-ons
€400–410 Mio.Umsatz-Guidance 2026
Grafik 4: Q1 2026 — Umsatz hoch, Ergebnis noch saisonal negativ
€59,0 Mio.+€7,2 Mio.negativQ1 UmsatzLFL EBITDA-VerbesserungQ1 EBITDA saisonal belastet
Das Q1 ist wegen Saisonalität nicht das beste Jahrbild. Entscheidend ist die Verbesserung auf vergleichbarer Basis und die Bestätigung der Jahresprognose.

Die 2026er Guidance: Der Markt bezahlt sie noch nicht voll

HomeToGo erwartet für 2026 einen IFRS-Umsatz von 400 bis 410 Millionen Euro und ein Adjusted EBITDA von 45 bis 47 Millionen Euro. Das ist für die Bewertung zentral. Bei rund 178,6 Millionen ausstehenden Aktien und einem Kurs um 1,15 Euro liegt der Börsenwert grob bei 205 Millionen Euro. Die Größenordnung ist also klar: Der Markt bewertet HomeToGo ungefähr mit einem halben Jahresumsatz.

Das allein macht die Aktie nicht billig. Umsatz ist nicht Gewinn. Adjusted EBITDA ist nicht Free Cashflow. Und ein Ferienhauskonzern ist kein Software-Monopol. Aber die Relation ist auffällig: Ein Unternehmen mit einer 2026er Umsatz-Guidance von mehr als 400 Millionen Euro und knapp 46 Millionen Euro erwarteten Adjusted EBITDA wird an der Börse wie ein ungeliebtes Experiment bewertet.

Grafik 5: Bewertungsbrücke 2026e
~€200 Mio.€400–410 Mio.€45–47 Mio.MarktkapitalisierungUmsatz-GuidanceAdj. EBITDA-GuidanceDer Markt zahlt nicht für die Story. Er wartet auf die Brücke zum Cashflow.
Vereinfachte Darstellung auf Basis aktueller Marktkapitalisierung und HomeToGo-Guidance für 2026.

Der Markt sagt damit nicht: HomeToGo ist wertlos. Er sagt: Ich glaube dir erst, wenn aus pro-forma Adjusted EBITDA wiederholbarer Cashflow wird.

Interaktive Grafik: Was wäre HomeToGo wert, wenn EBITDA zu Cashflow wird?

Die zentrale Bewertungsfrage ist nicht, ob HomeToGo 2026 die 45 bis 47 Millionen Euro Adjusted EBITDA erreicht. Die größere Frage lautet: Wie viel davon kann mittelfristig in freien Cashflow übersetzt werden? Genau das macht die Aktie so asymmetrisch.

Interaktive Grafik 6: Fairer Wert je Aktie
30 Mio. €
2,0%
10,0%
375 Mio. €vereinfachter Eigenkapitalwert
2,10 €fairer Wert je Aktie
+83%Abstand zu 1,15 €
Vereinfachtes Gordon-Growth-Modell: Wert = FCF × (1+g) / (r−g). Referenzkurs 1,15 Euro; Aktienanzahl 178,6 Mio. Diese Rechnung ist eine Landkarte, kein Zielkurs.

Im Basisszenario mit 30 Millionen Euro normalisiertem Free Cashflow, 2 Prozent Wachstum und 10 Prozent Diskontsatz ergibt sich ein Wert von etwas über 2 Euro je Aktie. Das ist ungefähr die Logik hinter der spekulativen Value-These. HomeToGo muss dafür nicht zum europäischen Airbnb werden. Es muss nur beweisen, dass die neue Gruppe dauerhaft Cash generieren kann.

Szenarien: Die Aktie ist klein, der Ergebnishebel groß

Ein DCF-Modell mit drei Nachkommastellen wäre hier eher Komödie als Analyse. HomeToGo ist saisonal, im Umbau, integrationsbelastet und noch nicht sauber nettoprofitabel. Aber eine grobe Szenario-Logik ist möglich.

SzenarioAnnahmeGrober fairer WertLesart
Bear CaseIntegration enttäuscht, FCF bleibt schwach0,80–1,20 €Billig auf Umsatz, teuer auf echten Gewinn
Basisszenario25–35 Mio. € normalisierter Free Cashflow1,70–2,30 €Misstrauen übertrieben, aber keine Rakete ohne Beweis
Bull Case40 Mio. €+ FCF, Synergien greifen, B2B skaliert2,50–3,20 €Re-Rating eines profitableren Ferienhausnetzwerks
Grafik 7: Szenariowert je Aktie
aktueller Kursbereich ca. 1,15 €0,80–1,20 €1,70–2,30 €2,50–3,20 €BearBasisBull
Szenarien sind bewusst grob. Bei kleinen Nebenwerten ist Scheingenauigkeit gefährlicher als Unsicherheit.

Die Kapitalstruktur: Verwässerung, Bond und der Preis der neuen Strategie

Ein Punkt darf nicht unter den Teppich: HomeToGo hat 2025 eine Kapitalerhöhung durchgeführt und rund 85 Millionen Euro brutto eingesammelt, um die Interhome-Übernahme mitzufinanzieren. Für bestehende Aktionäre bedeutet so etwas Verwässerung. Und Verwässerung ist an der Börse ungefähr so beliebt wie ein Wasserschaden im Ferienhaus.

Aber man muss unterscheiden: Schlechte Verwässerung finanziert Verluste. Gute Verwässerung kauft Vermögenswerte, die mehr wert sind als die neuen Aktien kosten. Bei HomeToGo ist das Urteil noch offen. Wenn Interhome die Profitabilität hebt, Synergien realisiert und HomeToGo_PRO zum stabilen Ertragszentrum wird, war die Kapitalerhöhung sinnvoll. Wenn Interhome dagegen nur Umsatz bringt, aber Integration, Schulden und Kosten frisst, war sie teuer.

Im Februar 2026 platzierte HomeToGo außerdem einen Senior Secured Nordic Bond über 101 Millionen Euro mit fünfjähriger Laufzeit. Die Finanzierung soll die Kapitalstruktur entlasten, kurzfristige Refinanzierungsrisiken reduzieren und laut Unternehmen rund 84 Millionen Euro Cashflow in den kommenden zwei Jahren freisetzen, weil ein schneller amortisierendes Bankdarlehen ersetzt wird. Der Preis: Euribor plus 7,75 Prozent Marge. Flexibilität ist also nicht kostenlos.

Grafik 8: Kapitalstruktur — Chance und Risiko
€85 Mio.€101 Mio.~€84 Mio.Kapitalerhöhung 2025Nordic Bond 2026freigesetzter Cashflow
Die Kapitalstruktur schafft Spielraum für Integration und M&A, erhöht aber die Bedeutung von Cashflow-Disziplin.

HomeToGo_PRO: Der unterschätzte Kern der neuen Story

Der Markt spricht oft noch über HomeToGo wie über eine Reisesuchmaschine. Der strategisch interessantere Teil heißt inzwischen HomeToGo_PRO. Im ersten Quartal 2026 steuerte dieser Bereich rund zwei Drittel des Konzernumsatzes bei. Das ist nicht kosmetisch. Das ist ein Wechsel der ökonomischen Identität.

B2C-Marktplätze hängen stark an Traffic, Conversion, Google, Marketingkosten und Konsumentenstimmung. B2B-Software, Services und Ferienhausmanagement sind operativer, weniger glamourös, aber potenziell wiederholbarer. Genau diese Verschiebung kann HomeToGo investierbarer machen — wenn die Margen und der Cashflow folgen.

Grafik 9: Umsatzmix Q1 2026
HomeToGo_PRO: 66%Marketplace und Sonstiges: 34%Der Konzern wird operativer, weniger rein trafficgetrieben.
HomeToGo meldete, dass HomeToGo_PRO inklusive Interhome in Q1 2026 rund zwei Drittel des Konzernumsatzes beitrug.

Hier liegt der ungewöhnliche Teil der Investmentthese: HomeToGo ist vielleicht gar nicht mehr primär eine Plattformwette. Es könnte eine kleine europäische Roll-up-Story für Ferienhausmanagement werden, bei der Software, Daten und Vertrieb die alten lokalen Strukturen produktiver machen. Das ist weniger sexy. Aber Value entsteht selten dort, wo alle schon begeistert klatschen.

Der hässliche Teil: Nettogewinn, Saisonalität, Integration

Man sollte sich nicht von Adjusted EBITDA hypnotisieren lassen. Adjusted EBITDA ist nützlich, aber auch gefährlich. Es ist eine Zahl, die gern lächelt, während der Nettogewinn noch weint.

HomeToGo schrieb 2025 aufgrund von hohen nicht zahlungswirksamen Wertminderungen und Sonderfaktoren weiterhin einen deutlichen Nettoverlust. Dazu kommt die Saisonalität. Ferienhäuser werden nicht gleichmäßig über das Jahr gebucht und genutzt. Interhome verstärkt diese Saisonalität teilweise. Ein erstes Quartal kann deshalb hässlich aussehen, ohne dass das Gesamtjahr zwingend schlecht wird.

Integration ist ebenfalls kein Plugin, das man in die Plattform steckt und dann auf „aktivieren“ klickt. Interhome ist ein operatives Geschäft mit Menschen, Prozessen, lokalen Märkten, Eigentümern, Gästen, Servicequalität, IT-Systemen und Kostenstrukturen. Genau dort entscheidet sich, ob die Präsentationslogik in der Wirklichkeit überlebt.

„Culture eats strategy for breakfast.“Peter Drucker zugeschrieben — bei Übernahmen gilt das besonders
Grafik 10: Die fünf Risiken
HTGValue CaseIntegrationInterhomeCashflowEBITDA ≠ FCFSaisonalitätQ1 schwachFinanzierungBond + ZinsGoogleTraffic-Risiko

Was der Markt möglicherweise falsch sieht

Der Markt behandelt HomeToGo noch immer wie einen gescheiterten SPAC-Wachstumswert. Das ist verständlich. Viele SPAC-Geschichten endeten nicht als Unternehmensmärchen, sondern als Kapitalmarkt-Unfallbericht.

Aber HomeToGo ist inzwischen nicht mehr ganz das Unternehmen von 2021. Die Kombination aus Marketplace, Interhome, HomeToGo_PRO, Software und Ferienhaus-Services hat eine andere Qualität. Sie ist operativer, weniger rein werbegetrieben, potenziell stabiler und näher am realen Ferienhausbestand.

Der Markt hasst Übergänge. Ein reines Wachstumsunternehmen kann man auf Umsatzmultiples bewerten. Ein reifes Unternehmen kann man auf Gewinn und Cashflow bewerten. Aber ein Unternehmen, das von der einen Welt in die andere kriecht, ist für viele Investoren eine Zumutung. Es ist noch nicht sauber profitabel genug für Value-Fonds und nicht mehr wild genug für Growth-Investoren.

HomeToGo sitzt damit zwischen den Stühlen. Oder passender: zwischen Ferienhaus und Baustelle.

Die Chance entsteht nicht aus Sicherheit. Sie entsteht daraus, dass der Markt HomeToGo vielleicht noch als alten SPAC bewertet, obwohl die Firma operativ inzwischen eher ein kleiner europäischer Ferienhaus-Roll-up mit Plattform- und Softwarekomponente wird.

Interaktive Grafik: Umsatz, EBITDA oder Cashflow — welcher Maßstab zählt?

Diese Grafik zeigt, warum HomeToGo so schwer zu bewerten ist. Auf Umsatz sieht die Aktie billig aus. Auf Adjusted EBITDA sieht sie interessant aus. Auf Nettogewinn bleibt sie problematisch. Genau diese Spannung macht die Aktie zur Sondersituation.

Interaktive Grafik 11: Bewertungsmaßstab wechseln
Die Grafik nutzt gerundete Größenordnungen. Ziel ist Einordnung, nicht Scheingenauigkeit.

Was in den nächsten Quartalen wirklich zählt

HomeToGo muss nicht alle Zweifel auf einmal beseitigen. Aber das Unternehmen muss anfangen, eine Brücke zu bauen, die der Markt sehen kann: von Umsatz zu Adjusted EBITDA, von Adjusted EBITDA zu Free Cashflow, von Free Cashflow zu Nettogewinnqualität.

KatalysatorWarum er zählt
Umsatz im Rahmen der GuidanceBestätigt, dass die Interhome-Konsolidierung nicht nur einmalig hübsch aussieht
Synergien Richtung 10 Mio. €Beweist, dass der Zukauf echte Ertragswirkung hat
Verbesserte Marketplace-ProfitabilitätZeigt, dass weniger Umsatz nicht automatisch schlechtere Ergebnisqualität bedeutet
Mehr Transparenz zum Free CashflowDer wichtigste Schritt für Value-Investoren
Disziplinierte Bolt-on-M&ADer Roll-up funktioniert nur, wenn günstig gekauft und sauber integriert wird

Der nächste wichtige Termin ist Q2 2026. Laut HomeToGo-Finanzkalender sollen die Zahlen am 19. August 2026 veröffentlicht werden. Genau dort muss sich zeigen, ob die Q1-Verbesserung ein echter Anfang war oder nur ein hübscher Satz in einer Roadmap.

Fazit: Hässliche Aktie, bessere Geschichte

HomeToGo ist keine einfache Aktie. Sie ist klein, illiquider als große Werte, verlustgeprägt, saisonal, integrationsbelastet und noch nicht sauber auf Free-Cashflow-Basis bewiesen. Wer hier eine sichere Value-Aktie sucht, sucht am falschen Strand.

Aber HomeToGo ist auch nicht mehr nur der alte SPAC-Kater. Mit Interhome, HomeToGo_PRO, Software, Services und B2B entsteht eine deutlich ernstere Struktur. Ob daraus ein dauerhaft profitabler europäischer Ferienhauskonzern wird, ist noch nicht bewiesen. Aber die Bewertung verlangt keinen Beweis für Perfektion. Sie verlangt nur, dass HomeToGo nicht scheitert und die 2026er Roadmap glaubwürdig abarbeitet.

Bei Kursen um 1,10 bis 1,20 Euro ist HomeToGo für spekulative Value-Anleger wieder beobachtenswert. Nicht, weil der Chart schön wäre. Der Chart sieht aus wie ein Skilift nach unten. Sondern weil der Erwartungsdruck niedrig ist, während die operative Basis durch Interhome deutlich größer geworden ist.

The Kapital Rating: Speculative Value Opportunity.
Risikostufe: Hoch.
Anlagehorizont: 3–5 Jahre.
Kernfrage: Wird aus Adjusted EBITDA echter Free Cashflow?

Die Aktie ist hässlich. Die Geschichte ist kompliziert. Die Vergangenheit ist voller Enttäuschung. Aber manchmal ist die Börse wie ein übermüdeter Hotelgast: Sie bewertet das Zimmer schlecht, weil die Anreise furchtbar war — obwohl der Ausblick inzwischen besser geworden ist.

Quellen und Hinweise

  • HomeToGo Q1 2026 Quarterly Statement / EQS: Umsatz 59,0 Mio. €, 71,5 % Wachstum auf gesetzlicher Basis, Like-for-like Adjusted-EBITDA-Verbesserung um 7,2 Mio. €, 2026 Guidance 400–410 Mio. € Umsatz und 45–47 Mio. € Adjusted EBITDA.
  • HomeToGo 2025 Annual Report / EQS: IFRS-Umsatz 255,5 Mio. €, pro-forma Umsatz 394,3 Mio. €, Adjusted EBITDA 13,2 Mio. €, pro-forma Adjusted EBITDA 42,0 Mio. €.
  • HomeToGo IR Share Information: 178,584,906 ausstehende Aktien per 7. Mai 2026, Ticker HTG, Prime Standard Frankfurt.
  • HomeToGo / EQS: Abschluss der Interhome-Übernahme am 29. August 2025.
  • HomeToGo / EQS: 101 Mio. € Senior Secured Nordic Bond, fünfjährige Laufzeit, EURIBOR + 7,75 % Marge.
  • Eigene vereinfachte Bewertungsmodelle. Keine Anlageberatung.

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