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US$516 Mio. Projektwert treffen auf rund A$125 Mio. Börsenwert. Das sieht nach einer absurden Fehlbewertung aus. Doch zwischen Epankos Excel-Wert und dem Wert je Aktie liegen noch KfW, eine Finanzierungslücke von US$94,3 Mio., 22 Monate Bauzeit, Graphitpreise — und die Frage, wie viele neue Aktien am Ende existieren.
Was diese Analyse wirklich klären muss
- Warum der offensichtliche NPV-Vergleich zu einfach ist
- Was EcoGraf eigentlich besitzt
- Wie stark Epanko wirtschaftlich ist
- Warum die Finanzierung die eigentliche Aktie ist
- Was die Bilanz aushält
- Ob der Graphitmarkt wirklich Rückenwind liefert
- Was HFfree wert sein könnte
- Bear, Base und Bull Case
- Was als Nächstes passieren muss
- Mein Fazit
1. Die These: Auf dem Papier ist EcoGraf unanständig billig. In der Realität muss erst jemand die Rechnung bezahlen.
EcoGraf ist eine Aktie, bei der Excel und Realität noch nicht dieselbe Sprache sprechen. Das Epanko-Projekt in Tansania trägt laut aktualisierter Bankable Feasibility Study einen Vorsteuer-NPV von US$516 Mio. Der gesamte Börsenwert des Unternehmens liegt bei rund A$124,6 Mio. Rechnet man den Projektwert zum aktuellen Wechselkurs in australische Dollar um, landet man bei rund A$743 Mio. Selbst nach dem 84%-Anteil von EcoGraf am Projekt bleiben rechnerisch etwa A$624 Mio. übrig.
Die schnelle Börsenrechnung lautet deshalb: Warum kostet eine Gesellschaft rund A$125 Mio., wenn ihr Hauptprojekt auf dem Papier rund A$624 Mio. zurechenbaren Wert besitzt? Die Antwort ist nicht kompliziert, nur unangenehm. Der NPV ist vor Steuern, er ist ein Projektwert, kein heutiger Eigenkapitalwert, und er setzt voraus, dass die Mine tatsächlich finanziert, gebaut, hochgefahren und über Jahrzehnte zu den modellierten Preisen betrieben wird.
Wer US$516 Mio. einfach durch 461,6 Mio. Aktien teilt, baut keinen Bewertungsfall. Er baut eine Illusion. Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie groß ist Epanko? Die entscheidende Frage lautet: Wie viel von Epankos Wert bleibt pro Aktie übrig, nachdem das fehlende Kapital bezahlt wurde?
Das Ergebnis ist interessanter als die naive NPV-Rechnung. Im Base Case lande ich nicht bei A$1,35 oder A$1,50 je heutiger Aktie, sondern bei ungefähr A$0,58. Das ist immer noch mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs. Aber der Unterschied zeigt, wie brutal Kapitalbedarf und Risiko eine Rohstoffrechnung verändern.
2. Was EcoGraf eigentlich ist: Mine, Verarbeitungstechnologie und eine noch ungeöffnete Optionskiste
Die einfachste Beschreibung wäre: EcoGraf ist ein australischer Graphitentwickler mit einem großen Projekt in Tansania. Sie ist nicht falsch. Sie ist nur zu klein. Das Unternehmen versucht, eine Kette aufzubauen, die vom natürlichen Flockengraphit über die Formung bis zur chemischen Reinigung reicht — möglichst außerhalb der chinesisch dominierten Lieferkette.
Genau deshalb muss man EcoGraf in drei Schichten lesen. Die erste Schicht ist Epanko, die Mine. Sie ist heute der mit Abstand belastbarste Vermögenswert. Die zweite Schicht ist die Formung und Verarbeitung zu Batterievorprodukten. Die dritte Schicht ist HFfree, das patentierte Reinigungsverfahren ohne Flusssäure. Je weiter man in dieser Kette nach unten geht, desto höher kann theoretisch die Marge sein — aber desto weniger heutiger Cashflow existiert.
Epanko: der Anker
73.000 Tonnen Jahresproduktion in Phase 1, 22 Jahre Minenlaufzeit und ein aktualisierter BFS-NPV von US$516 Mio. vor Steuern. Hier liegt der größte heute modellierbare Wert.
Bewertungslogik: hoher Wert, aber noch Projekt- und Finanzierungsrisiko.
Diese Trennung ist wichtig. Ein Investor kann gleichzeitig sehr positiv auf Epanko und vorsichtig bei HFfree sein. Tatsächlich ist genau das meine bevorzugte Lesart. Die Mine muss die heutige Bewertung tragen. Downstream darf Upside liefern, sollte aber nicht nötig sein, um den Investment Case überhaupt zu retten.
3. Epanko: Die Zahlen sind stark genug, dass die Finanzierung überhaupt eine ernsthafte Frage ist
Viele Junior-Mining-Projekte sterben nicht an fehlender Fantasie, sondern an schwacher Ökonomie. Bei Epanko ist das Problem anders. Die aktualisierte BFS vom 25. Februar 2026 weist einen Vorsteuer-NPV10 von US$516 Mio., eine interne Verzinsung von 31,1% und ein erwartetes jährliches EBITDA von US$85,7 Mio. aus.
Die erste Projektstufe ist auf rund 73.000 Tonnen Graphitkonzentrat pro Jahr ausgelegt. Die Minenlaufzeit beträgt 22 Jahre. Als langfristigen Korbpreis verwendet das Modell US$1.746 je Tonne in realen 2025er Dollar. Die aktualisierte Erzreserve liegt bei 16,7 Mio. Tonnen mit 8,2% TGC. Der Staat Tansania hält eine 16% Free-Carried-Interest-Beteiligung an der Projektgesellschaft; EcoGraf bleiben wirtschaftlich 84%.
Ökonomischer Hebel
US$85,7 Mio. erwartetes jährliches EBITDA stehen einem Projektaufwand von US$199,3 Mio. gegenüber. Das ist optisch attraktiv — sofern Preisannahmen und Ramp-up halten.
Laufzeit
22 Jahre geben der Infrastruktur und dem Kundenaufbau Zeit, ihren Wert zu entfalten. Gleichzeitig wächst mit der Laufzeit die Sensitivität auf langfristige Preise.
Qualität der Story
Der Case ist stärker als ein Explorationsversprechen: BFS, Reserven, Abnahmebeziehungen und ein strukturierter Fremdfinanzierungsprozess existieren bereits.
Doch ein NPV ist immer eine Sammlung von Annahmen in seriöser Kleidung. Der Korbpreis muss erreichbar sein. Die Baukosten dürfen nicht davonlaufen. Der Produktionsstart muss funktionieren. Die Ausbeute muss stimmen. Die Mine muss die spezifizierten Qualitäten liefern, die Kunden tatsächlich kaufen wollen.
Genau deshalb ist die beste Eigenschaft von Epanko nicht der US$516-Mio.-Headline-Wert. Die beste Eigenschaft ist, dass das Projekt stark genug aussieht, um von einer Institution wie der KfW IPEX-Bank überhaupt bis in einen fortgeschrittenen Finanzierungsprozess gebracht zu werden. Das ist keine Garantie. Aber es ist mehr als eine PowerPoint-Folie.
4. Die Finanzierung: Hier entscheidet sich, ob der Discount verschwindet oder in neuen Aktien endet
Die gesamten Aufbaukosten der ersten Projektstufe liegen laut BFS bei US$199,3 Mio.. Darin enthalten sind US$181,2 Mio. für Errichtung und Aufbau sowie US$18,1 Mio. für das Umsiedlungsprogramm. EcoGraf hat KfW IPEX-Bank mandatiert, eine besicherte Fremdfinanzierung von bis zu US$105 Mio. im Rahmen des deutschen UFK-Programms zu arrangieren.
Ende April 2026 kam ein wichtiger Schritt: Das zuständige deutsche interministerielle Arbeitsgremium gab eine unverbindliche Indikation, dass Epanko grundsätzlich für eine Importkreditdeckung infrage komme. Das ist positiv. Es ist aber noch keine endgültige Garantie und keine auszahlbare Kreditfazilität.
Selbst wenn die vollen US$105 Mio. Fremdkapital kommen, bleibt rechnerisch eine Lücke von US$94,3 Mio.. Beim Wechselkurs vom 3. Juli 2026 sind das rund A$135,9 Mio. — mehr als der heutige Börsenwert des gesamten Unternehmens.
Der Rechner zeigt, warum pauschale Aussagen wie „die Finanzierung wird schon kommen“ analytisch zu schwach sind. Angenommen, US$40 Mio. der Restlücke werden durch strategische Partner oder andere nicht-verwässernde beziehungsweise weniger verwässernde Quellen geschlossen. Bleiben US$54,3 Mio. Eigenkapitalbedarf. Beim aktuellen Wechselkurs sind das etwa A$78 Mio. Wenn die Aktien zu A$0,27 ausgegeben würden, entstünden rund 290 Mio. neue Aktien.
Das wäre keine Kleinigkeit. Trotzdem würde es die Investmentthese nicht automatisch zerstören. Denn eine Verwässerung kann wertschaffend sein, wenn sie ein Projekt mit deutlich höherem ökonomischem Wert finanziert. Schlechte Verwässerung zahlt laufende Kosten. Gute Verwässerung kauft einen Vermögenswert, dessen Wert pro Aktie danach trotzdem steigt.
Die entscheidende Disziplin besteht darin, nicht nur auf den Prozentsatz der Verwässerung zu schauen. Man muss prüfen, wie viel Projektwert durch jeden neuen Dollar Eigenkapital freigeschaltet wird.
5. Die Bilanz: sauber, aber zu klein für einen US$199-Mio.-Bau
Zum 31. März 2026 verfügte EcoGraf über rund A$6,2 Mio. liquide Mittel. Das ist ausreichend, um den Entwicklungsprozess weiterzuführen, aber offensichtlich nicht genug, um Epanko aus eigener Kraft zu bauen. Der Quartalsbericht wies auf Basis des damaligen Mittelabflusses eine rechnerische Finanzierungslaufzeit von 3,36 Quartalen aus.
Das Halbjahresergebnis bis Ende Dezember 2025 zeigt immerhin keine klassische hochverschuldete Krisenbilanz. EcoGraf hatte A$50,9 Mio. Gesamtvermögen, A$49,0 Mio. Eigenkapital und nur rund A$1,9 Mio. Verbindlichkeiten. Der Haken: Ein großer Teil des Vermögens besteht aus aktivierten Explorations- und Entwicklungswerten. Diese sind ökonomisch nur so gut wie die Projekte, aus denen später Cashflow entsteht.
Für Aktionäre entsteht daraus ein doppeltes Finanzierungsrisiko. Erstens braucht die Mine ein großes Projektfinanzierungspaket. Zweitens kann die börsennotierte Gesellschaft zusätzlich frisches Betriebskapital benötigen, falls sich Financial Close und Baubeginn lange hinziehen.
Ich sehe die heutige Bilanz deshalb weder als Stärke noch als Schwäche im klassischen Sinn. Sie ist sauber, aber nicht selbsttragend. Das ist bei Entwicklungsprojekten normal. Anleger müssen nur aufhören, sie mit einer produzierenden Rohstoffgesellschaft zu verwechseln.
6. Graphitmarkt: Die langfristige Nachfrage ist nicht das Problem. Der Weg dorthin kann es sein.
Die langfristige Makrogeschichte ist stark. Die Internationale Energieagentur erwartet im Stated Policies Scenario, dass sich die weltweite Graphitnachfrage bis 2040 ungefähr verdoppelt. Besonders kräftig wächst der Bedarf aus sauberen Energietechnologien. Gleichzeitig bleibt die Verarbeitung hoch konzentriert; die IEA erwartet, dass China 2035 rund 80% des batteriegeeigneten Graphits und der relevanten Verarbeitung dominieren könnte.
Das ist genau die Welt, in der ein westlich finanzierbares, großskaliges Naturgraphitprojekt strategischen Wert bekommt. Doch dieselbe IEA warnt davor, dass viele Märkte kurzfristig gut versorgt sein können, wenn angekündigte Projekte tatsächlich kommen. Anders gesagt: strategische Knappheit und kurzfristig schwache Preise können gleichzeitig existieren.
Für EcoGraf folgt daraus ein überraschend nüchterner Punkt: Das Unternehmen braucht keinen extremen Graphit-Superzyklus, um interessant zu sein. Es braucht aber einen Markt, in dem die im BFS verwendete Korbpreisannahme langfristig erreichbar bleibt. Der Base Case sollte deshalb nicht auf explodierende Rohstoffpreise gebaut werden.
Die strategische Prämie liegt woanders. Westliche und asiatische Kunden wollen ihre Abhängigkeit von einer einzelnen Verarbeitungskette verringern. Wenn Epanko Finanzierung, ESG-Due-Diligence und Lieferverträge zusammenbringt, kann der Herkunftsort selbst einen Wert bekommen. Die Mine wäre dann nicht nur ein Rohstoffprojekt, sondern ein Stück Lieferkettenversicherung.
7. HFfree: Der interessanteste Teil der Story — und der Teil, den ich am wenigsten in den heutigen Kurs hineinrechnen würde
EcoGrafs HFfree-Verfahren soll Batteriegraphit ohne Flusssäure reinigen. Strategisch ist das attraktiv, weil die traditionelle Reinigung von sphärischem Graphit chemisch anspruchsvoll ist und ein großer Teil der Kapazität in China sitzt. Ein wirtschaftlich wettbewerbsfähiger Prozess außerhalb dieser Kette könnte deutlich wertvoller sein als eine reine Mine.
Am 29. Mai 2026 meldete EcoGraf eine globale Standortbewertung für eine geplante Reinigungsanlage mit 25.000 Tonnen Jahreskapazität. Sie untersuchte sieben mögliche Standorte. Dazu kommen Patente und Partnerschaften, unter anderem eine im April 2026 gemeldete strategische Zusammenarbeit mit Mitsubishi Chemical Corporation.
Das ist substanzielle Option. Es ist aber noch kein bewiesener, laufender Cashflow. Genau hier werden Rohstoffaktien oft zu großzügig bewertet: Ein technischer Prozess, eine Partnerschaft und eine Standortstudie werden gedanklich bereits zu einer profitablen Fabrik zusammengesetzt.
Was positiv ist
Proprietäre Technologie, geopolitisch passendes Narrativ, potenziell höherwertiges Batterieprodukt und mehrere denkbare Standorte.
Was noch fehlt
Finale Standortentscheidung, vollständige Finanzierung, Bau, kommerzieller Hochlauf und nachweisbare Margen im großen Maßstab.
Wie ich es bewerte
Im Bear Case mit null. Im Base Case als A$60-Mio.-Option. Im Bull Case mit A$180 Mio. — bewusst erst nach starkem Risikoabschlag.
Diese Härte macht den EcoGraf-Case nicht schlechter. Im Gegenteil. Ein gutes Investment sollte nicht davon abhängen, dass jeder optionale Baustein perfekt funktioniert. Epanko muss den Boden legen. HFfree darf die Decke anheben.
8. Bewertung: Drei Szenarien, drei verschiedene Aktienzahlen
Bei EcoGraf ist die Aktienzahl keine Fußnote. Sie ist eine der wichtigsten Bewertungsannahmen. Deshalb verwende ich keinen einzigen „fairen Wert“, sondern drei Szenarien mit unterschiedlichen Risikoabschlägen, Downstream-Werten und verwässerten Aktienzahlen.
| Szenario | Risikofaktor auf 84%-Projekt-NPV | Downstream-Option | Verwässerte Aktien | Modellwert je Aktie | EUR grob |
|---|---|---|---|---|---|
| Bear | 30% | A$0 Mio. | 920 Mio. | A$0,20 | ca. €0,12 |
| Base | 55% | A$60 Mio. | 700 Mio. | A$0,58 | ca. €0,35 |
| Bull | 80% | A$180 Mio. | 600 Mio. | A$1,13 | ca. €0,69 |
Bear Case: A$0,15 bis A$0,25
Die Finanzierung zieht sich, der Graphitmarkt bleibt weich, ein großer Teil der Restlücke wird zu niedrigen Kursen über Eigenkapital geschlossen und HFfree erhält keinen belastbaren eigenständigen Wert. Das Projekt existiert weiter, aber der heutige Aktionär besitzt danach einen kleineren Anteil an einer noch immer ungebauten oder verspäteten Mine.
Base Case: A$0,45 bis A$0,65
Die KfW-Struktur kommt weitgehend zustande, zusätzliche strategische oder öffentliche Mittel reduzieren den reinen Equity-Bedarf, die Verwässerung bleibt unangenehm, aber kontrollierbar, und Epanko bewegt sich in Richtung Financial Close und Bau. HFfree erhält einen begrenzten Optionswert, nicht den Wert einer fertigen Fabrik.
Bull Case: A$0,90 bis A$1,30
Epanko erreicht eine glaubwürdige, weitgehend finanzierte Bauentscheidung; die Kapitalstruktur wird deutlich aktionärsfreundlicher als befürchtet; Offtakes und strategische Partner erhöhen die Bankability; Bau und Ramp-up verlaufen ohne große Kostenexplosion. Downstream wird mit realen Meilensteinen statt nur strategischer Fantasie bewertet.
Interessant ist der Vergleich mit externer Research-Arbeit. Independent Investment Research veröffentlichte im Juni 2026 eine risikogewichtete Bewertung von A$0,55 und eine ungewichtete Bewertung von A$1,59 je Aktie. Diese Zahlen passen grob in die Logik meines Base- beziehungsweise optimistischen Szenarios. Aber: Die Studie ist commissioned research. Sie ist deshalb ein Referenzpunkt, kein neutraler Analystenkonsens und kein Grund, A$0,55 einfach als Kursziel zu übernehmen.
9. Die nächsten Meilensteine: Nicht der Graphitpreis, sondern die Reihenfolge entscheidet
Bei Entwicklungsaktien ist Timing ein Teil der Bewertung. Zwei Unternehmen können dasselbe Projekt besitzen und trotzdem sehr unterschiedlich bewertet werden, wenn das eine kurz vor Financial Close steht und das andere nur „in Gesprächen“ ist.
1. UFK-Deckung und KfW-Paket müssen bindend werden
Warum es zählt: Bis zu US$105 Mio. Senior Debt könnten mehr als die Hälfte des Projektaufwands decken und die Eigenkapitallast massiv senken.
Was schiefgehen kann: Bedingungen, Zeitplan, Garantiedeckung oder finale Kreditdokumentation verzögern sich oder werden ungünstiger als erwartet.
| Beobachtungspunkt | Positives Signal | Warnsignal |
|---|---|---|
| KfW/UFK | Bindende Deckung und Kreditdokumentation | Weitere unverbindliche Zwischenschritte ohne Closing |
| Equity-Komponente | Strategischer Partner, Prämie oder begrenzte Verwässerung | Große Emission deutlich unter Marktpreis |
| Offtakes | Mehr bindende Mengen und bankfähige Kunden | Vage Absichtserklärungen ohne Finanzierungseffekt |
| Bau | Zeit- und Budgettreue | Capex-Inflation, Verzögerungen, technische Änderungen |
| HFfree | Standort, Finanzierung, Kunden und Margennachweis | Immer neue Studien ohne kommerziellen Schritt |
10. Die Risiken: Wo die schöne Asymmetrie kippen kann
Der größte Fehler wäre, EcoGraf nur als unterbewertetes Asset zu sehen. Die Aktie besitzt echte asymmetrische Chancen — und ebenso echte Wege zum dauerhaften Kapitalverlust.
Die Restlücke ist größer als der heutige Börsenwert. Struktur und Ausgabepreis des Kapitals entscheiden direkt über den Wert je Aktie.
Ein langfristig schwächerer Preis als im BFS unterstellt kann NPV, Schuldendienstfähigkeit und Finanzierbarkeit gleichzeitig beschädigen.
Ein gutes BFS-Projekt ist noch keine funktionierende Mine. Capex-Überschreitungen und Anlaufprobleme können Eigenkapital erneut nötig machen.
Umsiedlungsmaßnahmen und lokale Umsetzung sind reale Projektarbeit. Verzögerungen können den gesamten Zeitplan verschieben.
Der Staat ist mit 16% free carried beteiligt. Stabilität der Rahmenbedingungen, Steuern und Genehmigungen bleiben relevant.
HFfree kann wertvoll sein, aber die kommerzielle Skalierung ist nicht bewiesen. Zu viel Optionswert im heutigen Modell wäre gefährlich.
Dazu kommt ein psychologisches Risiko: Die Aktie kann nach einer Finanzierungsankündigung fallen, obwohl die fundamentale Überlebenswahrscheinlichkeit steigt. Warum? Weil der Markt plötzlich den Preis der Verwässerung kennt. Das ist bei Projektentwicklern normal. Ein guter Meilenstein kann kurzfristig schlechte Kursmechanik erzeugen.
11. The Kapital Score: starkes Projekt, schwache Finanzierungssichtbarkeit
Großer Abschlag zum risikoadjustierten Projektpotenzial; Verwässerung begrenzt die offensichtliche Billigkeit.
BFS, Reserven, 22 Jahre Laufzeit und attraktive modellierte Rendite.
Saubere Bilanz, aber enormer externer Kapitalbedarf und noch kein finaler Financial Close.
Epanko, Ausbaupotenzial, Shaping und HFfree schaffen außergewöhnliche Optionalität.
Viele vorbereitende Schritte sind erreicht; der entscheidende Sprung von Entwicklung zu Bau steht noch aus.
Spekulativ positiv. Kein Qualitätscompounder, sondern eine hochsensible Projekt- und Finanzierungswette.
Der Score ist kein Kauf- oder Verkaufssignal. Er strukturiert die Investmentthese und macht sichtbar, wo die Aktie stark beziehungsweise fragil ist.
Fazit: EcoGraf ist interessant, weil die Rechnung schwer ist — nicht weil sie einfach aussieht
Ich mag Aktien nicht, weil ein NPV größer als der Börsenwert ist. Das ist bei Junior-Mining-Unternehmen fast ein Standardzustand. Interessant wird es erst, wenn der Abschlag größer ist als die realistischen Kosten von Zeit, Risiko und Kapital.
Bei EcoGraf glaube ich, dass dieser Punkt erreicht sein könnte. Epanko besitzt echte Substanz. Die aktualisierte BFS ist stark. Das KfW-Mandat ist ein ernst zu nehmender Finanzierungspfad. Die 84%-Beteiligung lässt einen großen Teil des Projektwerts beim börsennotierten Unternehmen. Der strukturelle Wunsch nach diversifizierten Graphitketten ist real.
Genauso real sind die Gegenargumente. US$94,3 Mio. Restfinanzierung verschwinden nicht, nur weil der NPV groß ist. A$6,2 Mio. Cash sind keine Baukasse. Eine unverbindliche deutsche Förderindikation ist noch kein Financial Close. Und eine Downstream-Studie ist noch keine profitable Anlage.
Die Aktie ist für mich interessanter als ein typischer Junior Explorer, weil Epanko bereits wesentlich weiter de-riskt ist. Sie bleibt aber eine Position, deren Größe das Finanzierungsrisiko respektieren muss.
Base-Case-Zone. Bear: A$0,15–0,25. Bull: A$0,90–1,30. Entscheidend ist die vollständig verwässerte Aktienzahl nach Finanzierung.
Was würde mich bullisher machen? Eine bindende KfW/UFK-Struktur, ein strategischer Partner, eine klar begrenzte Equity-Komponente und ein Financial Close ohne massive Discount-Emission.
Was würde die These beschädigen? Wiederholte Verzögerungen ohne finale Finanzierung, deutlich höhere Baukosten, eine große Kapitalerhöhung weit unter Marktpreis oder ein Graphitpreisumfeld, das die BFS-Ökonomie strukturell entwertet.
Offenlegung: Autor hält Aktien des Unternehmens: [JA/NEIN VOR VERÖFFENTLICHUNG EINTRAGEN].
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im regulatorischen Sinne, keine persönliche Empfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Individuelle Anlageziele, finanzielle Situation, Risikotoleranz und steuerliche Situation werden nicht berücksichtigt. Aktieninvestments — insbesondere in kleine Rohstoff- und Projektentwicklungsunternehmen — können zu hohen Verlusten bis hin zum Totalverlust führen. Alle Bewertungsmodelle beruhen auf Annahmen und können falsch sein.
Quellen, Methodik und Datenstand
Datenstand: 4. Juli 2026. Kurs- und Wechselkursbezug: letzter verfügbarer Handelstag beziehungsweise RBA-Referenz vom 3. Juli 2026.
- Australian Securities Exchange — EcoGraf Limited (EGR): Referenzkurs, Börsenwert, Aktienzahl.
- EcoGraf — Updated Epanko Bankable Feasibility Study, 25. Februar 2026: NPV, IRR, Capex, EBITDA, Laufzeit, Reserven, Eigentumsstruktur.
- EcoGraf — KfW IPEX-Bank Debt Financing Update, 28. April 2026: UFK-Prozess und mögliche Kreditfazilität bis US$105 Mio.
- EcoGraf — Quarterly Activities Report, 30. April 2026: Cashbestand und Finanzierungsreichweite.
- EcoGraf — Interim Financial Report, 10. März 2026: Bilanz und Halbjahreszahlen.
- EcoGraf — Global Assessment Confirms HFfree Process Competitiveness, 29. Mai 2026: Standortbewertung und Downstream-Konzept.
- EcoGraf — Strategic Partnership with Mitsubishi Chemical Corporation, April 2026.
- International Energy Agency — Global Critical Minerals Outlook 2025: Graphitnachfrage, Konzentration und Lieferkettenrisiken.
- Reserve Bank of Australia — Exchange Rates, 3. Juli 2026: 1 AUD = 0,6941 USD und 0,6063 EUR.
- Independent Investment Research, Juni 2026: externe Bewertungsreferenz. Hinweis: commissioned research; deshalb ausdrücklich kein neutraler Konsensanker.
Methodik: Der The-Kapital-Fair-Value-Rahmen ist ein risikoadjustiertes Sum-of-the-Parts-Modell. Ausgangspunkt ist der BFS-NPV vor Steuern. Danach werden EcoGrafs 84%-Anteil, Szenario-Risikoabschläge, ein separater Downstream-Optionswert und unterschiedliche vollständig verwässerte Aktienzahlen berücksichtigt. Das Ergebnis ist kein Kursziel, sondern ein Entscheidungsrahmen.


