Stand: Oktober 2026. Ob ein Depot zu riskant ist, lässt sich an einem ruhigen Börsentag leicht verdrängen. Die Einzelpositionen sind vertraut, der Anlagehorizont klingt lang und Kursrückgänge erscheinen als vorübergehende Schwankungen. Schwieriger wird die Frage, wenn aus einem sechsstelligen Vermögen plötzlich ein deutlich kleinerer Betrag wird und gleichzeitig eine größere Rechnung bezahlt werden muss.
Ein Portfolio-Stresstest zieht diese Situation gedanklich vor. Er fragt nicht, wann der nächste Crash kommt. Er fragt, was unter bestimmten belastenden Annahmen passieren würde: Wie groß wäre der Verlust? Welche Positionen würden ihn verursachen? Reichte die verfügbare Liquidität? Und welche Grenze wäre bereits überschritten, bevor sich die Märkte wieder erholen?
Ich halte diese Fragen für nützlicher als ein vermeintlich präzises Datum für den nächsten Abschwung. Ein Stresstest braucht keine richtige Vorhersage, um einen Planungsfehler sichtbar zu machen. Er braucht eine nachvollziehbare Ausgangslage, klar benannte Annahmen und die Bereitschaft, auch unbequeme Ergebnisse stehen zu lassen.
Was dieser Test ausdrücklich nicht liefert
Die folgenden Szenarien sind selbst konstruierte Belastungsfälle, keine Prognosen, historischen Krisennachbildungen oder Verlustobergrenzen. Das Musterdepot ist keine empfohlene Aufteilung. Ein bestandener Test beweist nicht, dass ein Portfolio sicher ist.
Was ein Portfolio-Stresstest misst
Ein Stresstest untersucht die Auswirkungen festgelegter außergewöhnlicher Bedingungen. Der Basler Ausschuss betont in seinen Grundsätzen unter anderem klare Ziele, Methoden, Daten und Dokumentation. Diese Leitlinien richten sich an Banken und Aufsichtsbehörden, nicht an private Anleger. Als methodische Orientierung ist der Gedanke dennoch hilfreich: Ein Ergebnis muss sich auf seine Annahmen zurückführen lassen. [1]
Für ein privates Wertpapierdepot unterscheiden wir drei Fragen. Ein Sensitivitätstest verändert einen einzelnen Einflussfaktor, beispielsweise eine Anleiherendite. Ein Szenario verbindet mehrere Veränderungen, etwa fallende Aktien und gleichzeitig schwächere Anleihen. Ein rückwärts gerechneter Test beginnt dagegen bei einer kritischen Verlustgrenze und untersucht, welche Bedingungen dorthin führen würden.
Eine historische Volatilität beantwortet eine andere Frage. Sie beschreibt Schwankungen in einem ausgewählten Datensatz und liefert keine feste Grenze künftiger Verluste. Auch der bisher größte Rückgang ist kein Versprechen, dass der nächste kleiner ausfällt. Ich würde deshalb eine historische Auswertung und einen hypothetischen Stresstest ergänzend betrachten, nicht miteinander verwechseln.
Schritt 1: Den Ausgangspunkt sauber festhalten
Für unseren Test betrachten wir 100.000 Euro: 60.000 Euro Aktien, 25.000 Euro Anleihen, 10.000 Euro Gold und 5.000 Euro Liquidität. Es gibt keine Kredite, Leerverkäufe oder Derivate. Alle Marktwerte werden zum selben Stichtag in Euro erfasst. Eine möglicherweise außerhalb dieses Depots gehaltene Notreserve ist nicht Teil der Rechnung.
Die vier Bezeichnungen sind Modellbausteine. In einem realen Depot müsste der Anleiheteil nach Laufzeiten, Bonität und Währungen untersucht werden. Beim Aktienanteil wären Unternehmen, Fondsüberschneidungen und gemeinsame Geschäftsrisiken wichtig. Bei Gold kämen die Eigenschaften des tatsächlich gewählten Instruments hinzu. Solche Unterschiede dürfen nicht unter einer bequemen Überschrift verschwinden.
FINRA weist darauf hin, dass Konzentration sowohl durch große Einzelpositionen als auch durch ähnliche Anlagen und Fondsüberschneidungen entstehen kann. [2] Deshalb sollte der Test auf einer geprüften Bestandsliste aufbauen. Den vorbereitenden Arbeitsablauf zeigt unser Beitrag Portfolio mit ChatGPT analysieren.
Schritt 2: Drei verschiedene Belastungen statt dreimal derselbe Crash
Wir legen drei voneinander getrennte Schocks fest. Jeder beginnt beim unveränderten Ausgangsdepot von 100.000 Euro. Die Szenarien werden nicht nacheinander angewendet. Während des jeweiligen Schocks finden keine Käufe oder Verkäufe statt. Kosten, Steuern, laufende Erträge und Veränderungen der Kaufkraft bleiben für diese erste Rechnung außen vor.
Szenario A: Aktienrückgang mit Gegengewicht. Aktien fallen um 35 Prozent. Anleihen gewinnen im Modell sechs Prozent, Gold acht Prozent. Cash bleibt nominal unverändert. Wir prüfen damit einen Fall, in dem die anderen Bausteine einen Teil des Aktienverlusts auffangen.
Szenario B: Aktien und Anleihen verlieren gemeinsam. Aktien fallen um 25 Prozent, Anleihen um zwölf Prozent. Gold gewinnt fünf Prozent. Cash bleibt unverändert. Hier funktioniert der Anleiheanteil nicht als Gegengewicht. Ob das bei einem konkreten Instrument so eintreten könnte, muss separat begründet werden; die Zahlen sind unsere gesetzten Annahmen.
Szenario C: Breiter Bewertungs- und Liquiditätsschock. Aktien verlieren 45 Prozent, Anleihen sieben Prozent und Gold zwölf Prozent. Nur Cash bleibt in der nominalen Rechnung unverändert. Mit diesem Fall testen wir bewusst, was geschieht, wenn mehrere vermeintliche Stützen gleichzeitig nachgeben.
Die Bezeichnungen erklären die Testidee. Sie machen daraus keine ökonomisch vollständig modellierten Krisenverläufe. Insbesondere ist weder der Goldgewinn in A und B noch sein Verlust in C eine behauptete Gesetzmäßigkeit. Wir wollen gerade vermeiden, eine Anlage im Test immer automatisch gewinnen zu lassen.
Schritt 3: Den Verlust je Baustein ausrechnen
Die Grundrechnung ist einfach: Anfangswert einer Position mal angenommene Veränderung. Anschließend werden sämtliche Gewinne und Verluste addiert. Für den Beitrag zum gesamten Depotverlust teilen wir den jeweiligen Eurobetrag durch den ursprünglichen Gesamtwert.
In Szenario A verlieren die Aktien 21.000 Euro. Die Anleihen gewinnen 1.500 Euro und Gold 800 Euro. Unter dem Strich stehen 18.700 Euro Verlust beziehungsweise 18,7 Prozent. Der Endwert beträgt 81.300 Euro.
In Szenario B entstehen 15.000 Euro Aktienverlust und 3.000 Euro Anleiheverlust. Der Goldgewinn von 500 Euro begrenzt die Summe auf 17.500 Euro beziehungsweise 17,5 Prozent. Der Endwert beträgt 82.500 Euro.
In Szenario C verlieren die Aktien 27.000 Euro, die Anleihen 1.750 Euro und Gold 1.200 Euro. Zusammen sind das 29.950 Euro beziehungsweise 29,95 Prozent. Vom ursprünglichen Vermögen bleiben 70.050 Euro.
81.300 €
−18.700 € · −18,7 %
Anleihen und Gold begrenzen den modellierten Aktienverlust.
82.500 €
−17.500 € · −17,5 %
Aktien und Anleihen verlieren gleichzeitig.
70.050 €
−29.950 € · −29,95 %
Alle drei investierten Bausteine werden belastet.
Eigene hypothetische Rechnungen. Anfangswert jeweils 100.000 €. Keine Eintrittswahrscheinlichkeiten und keine historische Simulation.
Dass B trotz gleichzeitig fallender Aktien und Anleihen etwas weniger Verlust erzeugt als A, ist kein allgemeines Urteil über Krisentypen. Es folgt schlicht aus den gewählten Veränderungen und Gewichten. Genau deshalb gehört die Annahmentabelle gedanklich immer neben das Ergebnis.
Wie du sinnvolle Annahmen für dein tatsächliches Depot findest
Ein Szenario sollte nicht ausschließlich aus einer runden Zahl für den Gesamtmarkt bestehen. Untersuche stattdessen die Schwachstellen der gehaltenen Anlagen. Bei Aktien können Bewertung, Verschuldung, Kundenabhängigkeit und Zyklik relevant sein. Eine Reihe unterschiedlicher Firmen kann unter derselben Veränderung leiden, auch wenn sie formal verschiedenen Branchen zugeordnet wird.
Bei Anleihen hilft die Zinssensitivität. FINRA erläutert Duration als Maß dafür, wie empfindlich ein Anleihepreis auf Zinsveränderungen reagiert, und nennt weitere Risiken wie Ausfall- und Kündigungsrisiken. [3] Für ein einfaches Näherungsmodell mit modifizierter Duration sechs würde ein Renditeanstieg um zwei Prozentpunkte einen Kursrückgang von ungefähr zwölf Prozent ergeben.
Das ist eine lineare Näherung, keine exakte Neubewertung. Sie unterstellt unter anderem eine geeignete gleichgerichtete Verschiebung der Renditen und ignoriert Konvexität, laufende Erträge und zusätzliche Kreditverschlechterungen. Bei einem echten Fonds müssen seine Kennzahlen und Zusammensetzung zum Modell passen. Eine einzelne durchschnittliche Duration ersetzt diese Prüfung nicht.
Fremdwährungen verlangen ebenfalls eine eindeutige Definition. Verliert eine ausländische Anlage in ihrer lokalen Währung 20 Prozent und sinkt gleichzeitig der Euro-Wert dieser Währung um zehn Prozent, bleiben rechnerisch 0,8 mal 0,9 gleich 0,72 des ursprünglichen Eurobetrags. Der Verlust beträgt 28 Prozent, nicht einfach 30 Prozent. Ist die Kursveränderung bereits in Euro angegeben, darf kein weiterer Währungseffekt addiert werden.
Die häufigste Rechenfalle: Dasselbe Risiko zweimal belasten
Eine Fondsdurchschau kann zeigen, welche Unternehmen hinter einer Position stehen. Im Stresstest muss anschließend jedoch festgelegt werden, auf welcher Ebene gerechnet wird. Entweder wird der Fonds als Ganzes belastet oder seine Bestandteile werden einzeln verändert und danach wieder zum Fonds zusammengeführt.
Wer den Fonds pauschal um 30 Prozent reduziert und zusätzlich die darin enthaltenen Technologiewerte um weitere 40 Prozent belastet, kann ungewollt Verluste doppelt zählen. Ebenso problematisch ist eine vermeintliche Diversifikation, die daraus entsteht, den Fonds und seine Bestandteile gleichzeitig zum Gesamtvermögen hinzuzurechnen.
Ein konsistenter Test führt deshalb den Ausgangswert zurück auf eine einzige geprüfte Summe. Unbekannte Fondsbestandteile bleiben als Datenlücke sichtbar. Der ergänzende Beitrag zum Klumpenrisiko erklärt die wirtschaftliche Durchschau im Detail.
Schritt 4: Liquidität prüfen, nicht nur Buchverluste
Stellen wir uns vor, nach Szenario C müssten kurzfristig 9.000 Euro entnommen werden. Im betrachteten Depot sind lediglich 5.000 Euro Cash vorhanden. Ohne eine weitere verfügbare Reserve müssten daher mindestens 4.000 Euro durch Verkäufe oder andere Finanzierung bereitgestellt werden. Der Depotwert würde nach der gesamten Entnahme von 70.050 auf 61.050 Euro sinken.
Die zusätzlichen 9.000 Euro sind kein weiterer Anlageverlust. Sie wurden ausgegeben. Für die zukünftige Planung ist der verbleibende Betrag trotzdem entscheidend. Ein Stresstest sollte Marktverluste und externe Entnahmen deshalb getrennt ausweisen, statt beides zu einer angeblichen Rendite zu vermischen.
Hinzu kommt die Handelbarkeit. FINRA warnt davor, dass illiquide Anlagen kurzfristig möglicherweise nicht oder nur zu ungünstigen Bedingungen verkauft werden können. [2] Der zuletzt angezeigte Marktwert ist daher nicht unter allen Umständen sofort verfügbares Geld.
Ich würde den Test um eine einfache Frage ergänzen: Welche Zahlungen müssen unabhängig vom Markt geleistet werden, und aus welcher konkret verfügbaren Quelle sollen sie kommen? Eine außerhalb des Depots gehaltene Reserve kann hier wesentlich sein. Sie darf aber nicht gleichzeitig für mehrere Ausgaben verplant werden.
Warum Verlust und anschließende Erholung nicht symmetrisch sind
Nach einem Verlust wird der nötige Gewinn auf einen kleineren Ausgangsbetrag gerechnet. Fällt ein Vermögen um 20 Prozent, braucht es anschließend 25 Prozent Zuwachs, um den alten Stand zu erreichen. Nach 50 Prozent Verlust sind es hundert Prozent. Das ist reine Prozentrechnung, keine Behauptung darüber, wie schnell eine Erholung stattfinden wird.
+11,11 %
+25 %
+42,86 %
+100 %
Eigene Rechnung: erforderlicher Gewinn = Verlustanteil ÷ verbleibender Anteil. Ohne Entnahmen, Einzahlungen, Kosten und Steuern.
Für die 70.050 Euro aus Szenario C wären rund 42,76 Prozent Gewinn nötig, um wieder 100.000 Euro zu erreichen. Das gilt nur ohne weitere Zahlungsströme. Neue Einzahlungen können den Vermögensstand schneller erhöhen, sind aber nicht als Börsenerholung zu verbuchen.
Auch die Reihenfolge von Verlusten und Entnahmen zählt
Zwei Modelljahre verdeutlichen den Unterschied. Anfangs stehen 100.000 Euro bereit. In jedem Jahr werden am Jahresende 10.000 Euro entnommen. In Variante eins folgt auf minus 20 Prozent ein Gewinn von 25 Prozent: Nach dem ersten Jahr und der Entnahme bleiben 70.000 Euro; nach dem zweiten Jahr und dessen Entnahme 77.500 Euro.
Vertauschen wir die Renditen, bleiben nach dem ersten Jahr 115.000 Euro und nach dem zweiten Jahr 82.000 Euro. Ohne Entnahmen hätte die Kombination in beiden Reihenfolgen wieder zum Ausgangswert geführt, weil 0,8 mal 1,25 gleich eins ist. Mit Entnahmen führt der frühe Verlust dagegen zu einem niedrigeren Endvermögen.
Auch diese Rechnung ist kein historisches Rentnerdepot. Sie zeigt, warum ein Stresstest für jemanden mit regelmäßigen Entnahmen anders aussehen muss als für jemanden, der über Jahre neues Geld einzahlt. Der Zeitverlauf kann entscheidend sein, obwohl dieselben einzelnen Jahresrenditen vorkommen.
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Schritt 5: Die Belastungsgrenze rückwärts berechnen
Bisher haben wir gefragt, welchen Verlust bestimmte Annahmen erzeugen. Jetzt drehen wir die Rechnung um. Im Modell soll das Depot nicht mehr als 20 Prozent verlieren. Gleichzeitig unterstellen wir weiterhin zwölf Prozent Verlust im Anleiheteil, unverändertes Gold und unverändertes Cash. Wie stark dürften die Aktien dann rechnerisch fallen, bevor diese Grenze erreicht wird?
Der Anleiheverlust beträgt bereits 3.000 Euro beziehungsweise drei Prozentpunkte des Anfangsdepots. Vom gesamten Verlustbudget von 20.000 Euro bleiben damit 17.000 Euro für die Aktien. Bezogen auf deren Anfangswert von 60.000 Euro entspricht das einem Rückgang von 28,33 Prozent.
Ein stärkerer Aktienrückgang würde unter genau diesen übrigen Annahmen die Grenze überschreiten. Das Ergebnis ist keine Wahrscheinlichkeit und keine automatisch optimale Aktienquote. Es zeigt lediglich, welche Belastung bereits ausreicht, um eine vorher formulierte Bedingung zu verletzen.
Nun lässt sich die wirklich wichtige Frage stellen: Ist diese Bedingung passend gewählt? Eine psychologisch angenehme Zahl, eine vertraglich notwendige Zahlung und eine langfristige Vermögensplanung sind unterschiedliche Gründe für eine Grenze. Investor.gov betont, dass Anlagehorizont und Risikotoleranz zur Vermögensaufteilung gehören. [6] Der Test kann diese Entscheidung strukturieren, aber nicht stellvertretend treffen.
Was ein Stop-Loss in dieser Rechnung nicht garantieren kann
Ein häufiger Einwand lautet, man werde vor einem größeren Verlust ohnehin verkaufen. Das kann eine geplante Handlung sein, ist aber keine garantierte Verlustbegrenzung. Die SEC erklärt, dass eine Stop-Order nach Auslösung zur Marktorder wird und der tatsächliche Ausführungskurs vom Stoppreis abweichen kann. Eine Stop-Limit-Order begrenzt zwar den akzeptierten Preis, kann dafür unausgeführt bleiben. [4]
Ein konservativer Stresstest sollte daher nicht einfach jeden Verlust an der gewünschten Stopmarke abschneiden. Kurslücken, schwache Liquidität und abweichende Ausführungen müssen zumindest als Möglichkeit sichtbar bleiben. Wer eine aktive Verkaufsregel modelliert, benötigt zusätzlich Annahmen zu Zeitpunkt, Preis und anschließender Wiederanlage.
So kann ChatGPT den Test unterstützen
Für die Rechenarbeit genügt eine strukturierte Tabelle mit Position, Anfangswert, Basiswährung und den Veränderungen je Szenario. OpenAI beschreibt die Analyse hochgeladener Daten und empfiehlt, erzeugte Berechnungen, Annahmen und Ergebnisse zu überprüfen. [5] Das ist hier der sinnvolle Einsatz: eine kontrollierbare Auswertung, keine automatisch erfundene Krisenwahrscheinlichkeit.
Arbeitsauftrag für den Stresstest
„Prüfe zuerst, ob alle Anfangswerte zum angegebenen Gesamtvermögen passen. Berechne jedes Szenario separat mit unveränderten Stückzahlen. Zeige Gewinn oder Verlust je Position, den Beitrag in Prozentpunkten des Anfangsdepots und den Endwert. Ergänze keine fehlenden Schocks. Trenne Marktverluste von Entnahmen. Berechne anschließend die vorgegebene rückwärtige Verlustgrenze und kennzeichne alle Ergebnisse als bedingte Modellrechnungen ohne Eintrittswahrscheinlichkeit.“
Kontrolliere mindestens ein Szenario selbst. Besonders fehleranfällig sind Vorzeichen, Prozent gegenüber Prozentpunkten, Währungsumrechnungen und doppelte Fondsbestände. Lass außerdem die Vereinfachungen ausgeben: konstante Stückzahlen, keine laufenden Erträge, keine Kosten, keine Ausfälle außerhalb des gewählten Szenarios.
Was ich nach einem unangenehmen Ergebnis ändern würde – und was nicht
Ich würde zunächst die Eingaben prüfen und danach untersuchen, woher die Belastung kommt. Liegt das Problem in einem hohen Aktienanteil, einer einzelnen Beteiligung, ähnlichen Geschäftsmodellen oder fehlendem Cash für eine bereits bekannte Ausgabe? Die passende Antwort hängt von der Ursache ab.
Mehr Einzelaktien beseitigen beispielsweise nicht automatisch einen zu hohen gemeinsamen Aktienmarktschock. Dazu passt unser Artikel Wie viele Aktien im Depot sind sinnvoll? Umgekehrt löst ein pauschaler Verkauf nicht zwingend die richtige Frage, wenn lediglich eine falsche Währungsannahme den Test verzerrt hat.
Ein schlechtes Testergebnis sollte daher kein automatischer Handelsbefehl sein. Es ist ein Anlass, Zielaufteilung, Liquiditätsplanung und Risikobudget zu überprüfen. Jede mögliche Änderung kann anschließend erneut durch dieselben Szenarien laufen. So wird sichtbar, welcher Schutz tatsächlich entsteht und welche neuen Nachteile hinzukommen.
Fazit: Ein guter Stresstest prüft deinen Plan, nicht deine Nerven
Der wichtigste Wert eines Stresstests liegt nicht in einer roten Verlustzahl. Er liegt darin, eine abstrakte Risikobereitschaft mit konkreten Eurobeträgen, Zahlungsterminen und Entscheidungsspielräumen zu verbinden.
Wenn ein Szenario den Plan gefährdet, muss dafür noch kein Crash unmittelbar bevorstehen. Der Plan kann bereits heute überprüft werden. Und wenn mehrere Szenarien tragbar erscheinen, bleibt trotzdem offen, welche Belastung noch nicht bedacht wurde. Genau diese Bescheidenheit macht den Test brauchbar: Er schafft keine Sicherheit, aber er kann Überraschungen verringern.
Methodenartikel, keine individuelle Anlageberatung. Alle Depotwerte und Szenarien sind hypothetisch. Reale Verluste können größer sein; Hebel, Derivate und illiquide Anlagen benötigen zusätzliche Modelle.
Quellen und Methodik
- Basel Committee on Banking Supervision: Stress testing principles – allgemeine methodische Orientierung zu Zielen, Prozessen und Dokumentation; kein Regelwerk für dieses Privatdepot.
- FINRA: Concentrate on Concentration Risk – gemeinsame Abhängigkeiten, Fondsüberschneidungen und eingeschränkte Handelbarkeit.
- FINRA: Bonds – Zins-, Duration- und weitere Anleiherisiken.
- U.S. SEC / Investor.gov: Stop, Stop-Limit, and Trailing Stop Orders – Ausführungsrisiken und Grenzen von Stop-Orders.
- OpenAI: Data analysis with ChatGPT – strukturierte Dateneingaben und Kontrolle codegestützter Auswertungen.
- Investor.gov: Asset Allocation and Diversification – Anlagehorizont und Risikotoleranz.
Alle Szenarien, Renditefolgen und Rechnungen sind eigene hypothetische Beispiele. Quellen zuletzt geprüft am 3. Oktober 2026.
Bildnachweis: Joshua Miranda / Pexels. Redaktionelles Symbolfoto, auf 16:9 zugeschnitten.


